Inhaltsverzeichnis

Karnevalsprojekt - Alle Kinder lernen lesen
Arbeiten mit dem Tagesplan
Akustische Wahrnehmungsübungen
Lese-Mal-Blätter


Karnevalsprojekt - Alle Kinder lernen lesen

Auch Kinder, die noch nicht viele Deutsch-Kenntnisse haben, können das einfache Lied erlernen. Dabei ist es wichtig, dass sie möglichst viel von dem Sinn erfassen um sich mit dem Text zu identifizieren. Das kann durch Erklärungen, Vorspielen, Kostüme, Fotos, Bilder geschehen. Das Ziel ist das Vorsingen auf einem Schulfest o. ä. Um sich den für nichtdeutschsprachige Kinder recht schwierigen Text besser merken zu können, sollten die Kinder zu jeder Zeile eine Handbewegung oder Aktion überlegen. Diese Bewegungen werden am Ende mit in die Vorführung übernommen. Hier der Text:

Alle Kinder lernen lesen

Text: Wilhelm Topsch
Melodie: "Glory glory hallelujah"
auf der CD "Klassenhits 1"

REFRAIN:
Alle Kinder lernen lesen,
Indianer und Chinesen,
selbst am Nordpol lesen alle Eskimos:
Hallo Kinder, jetzt geht´s los!

A sagt der Affe, wenn er in den Apfel beißt
E sagt der Elefant, der Erdbeeren verspeist
I sagt der Igel, wenn er sich im Spiegel sieht
und wir singen unser Lied

REFRAIN

O sagt am Ostersonntag jeder Osterhas
O sagt der Ochse, der die Ostereier fraß
U sagt der Uhu, wenn es dunkel wird im Wald
und wir singen, dass es schallt

REFRAIN

Au sagt das Auto wenn es um die Ecke saust
Ei sagt der Eisbär, der in seiner Höhle haust
Eu sagt die Eule, heute sind die Mäuse scheu
und wir singen noch mal neu

REFRAIN

Bei der Vorführung reicht es, wenn die Kinder den Refrain mitsingen. Innerhalb der Strophen können sie entweder die passenden Buchstaben (auf selbstgestalteten Plakaten) oder Bilder der entsprechenden Tiere hochhalten.

Spaß macht es den Kindern besonders, wenn sie sich für den Auftritt entsprechend verkleiden dürfen. Fangen Sie früh genug an, Material zu sammeln.

Indianer:

braune Schuhe und Hosen, selbstgemachter Federschmuck, "Kriegsbemalung"

Chinesen:

weiße Oberhemden, selbstgemachte runde Hüte mit chinesischen Schriftzeichen

Eskimos:

dicke Handschuhe, Pelzmützen, Ohrenwärmer, Mäntel

Am besten teilen Sie die Kinder recht früh ein. Dann können sie sofort ihren Part einstudieren. Die Indianer machen Kriegsgeheul, die Chinesen verneigen sich oder ziehen den Hut, die Eskimos reiben sich die Hände.

Ich habe dieses Projekt mit 10 Schülen verschiedenster Herkunft durchgeführt. Sie waren 6 - 10 Jahre alt und hatten bis dahin 3 Monate Sprachförderunterricht. Vorher konnten sie so gut wie kein Wort Deutsch verstehen oder sprechen.

Durch das Singen (besonders mit Unterstützung der CD) prägen sich Wortklang und Aussprache besonders gut ein. Anschließend an dieses Projekt bieten sich das Thema Tiere oder die Erabeitung des Alphabets an, je nachdem was den Schülern weiterhilft.

Arbeiten mit dem Tagesplan

Problem

In meiner Förder-Gruppe von 6 ausländischen und 2 deutschen Kindern kam es immer wieder zu der Situation, dass die Schüler verschieden schnell mit einer Aufgabe fertig waren oder Fragen an mich hatten, wenn ich mich gerade mit einem anderen Kind beschäftigte. Die äußeren Bedingungen waren eigentlich ideal, da wir für 8 Kinder einen Klassenraum mit vier Computern zur Verfügung hatten. Ich fing schon sehr bald an, mit einem Tagesplan zu arbeiten. Der Förderunterricht fand dreimal in der Woche statt und lag in den Randstunden. Der Vorteil des Tagesplans liegt besonders darin, dass die Kinder relativ selbständig arbeiten können und so mehr Zeit für individuelle Hilfe bleibt. Damit diese Methode aber funktioniert, muss man zuerst sehr sorgfältig planen.

Verwendung von Symbolen

Die Einübung der Symbole ist außerordentlich wichtig, sie müssen absolut eindeutig sein. Wissen die Kinder nichts mit ihnen anzufangen, herrscht schnell Chaos. Hier finden Sie einige Beispiele für Symbolkärtchen. Ihrer Fantasie sind aber keine Grenzen gesetzt! Führen Sie zunächst die Bedeutung von ein oder zwei Symbolen im "normalen" Unterricht ein, üben Sie diese und steigern langsam die Anzahl. Erst dann können Sie einen richtigen Tagesplan für die Kinder erstellen. Ich habe mir die Symbolkärtchen laminiert und zu Beginn der Stunde in der gewünschten Reihenfolge an die Tafel geklebt. Zunächst habe ich die Reihenfolge noch vorgegeben, das kann man später ändern! Genauso wichtig ist, dass die Schüler die Übungsformen kennen und beherrschen, also müssen auch diese vorher eingeübt werden. Es gilt das Motto: Immer nur eine neue Sache einführen, also entweder eine neue Übungsform oder ein neues Symbol. Zusätzlich zu den Symbolen vom Tagesplan hatte ich noch ein "Stille"-Kärtchen. Wenn es trotz guter Arbeitsatmosphäre einmal zu laut war, konnte ein Schüler oder ich diese Karte an die Tafel anbringen, ohne dass Ermahnungen und so Störungen nötig waren. Ich habe von Anfang an viel mit Bildkarten gearbeitet. Sehen Sie selbst, was den Kindern weiterhilft.

Tagesplan - Beispiel

In diesem Beispiel geht es um die Wiederholung folgender Lernwörter:
Katze - Pferd - Kuh - Schaf - Frosch - Hahn - Huhn - Hund
Die Schüler singen zunächst ihr Begrüßungslied (z. B. "Guten Morgen, guten Morgen"). Das gehört an den Anfang jeder Stunde.
Dann sollen sie die Lernwörter schreiben. Das kann in Form eines Schleichdiktates geschehen, oder sie bekommen einen Zettel mit den Bildern, die dann benannt und beschriftet werden müssen. Je nachdem, ob das Hauptziel auf der Beherrschung der Benennung oder der richtigen Schreibweise liegt. Diese Aufgabe dient auch der Einstimmung auf die jeweils aktuellen Lernwörter.
Die Wörter sollen in Spielform geübt werden. Dazu gibt es im nächsten Abschnitt eine ausführliche Beschreibung.
Die Wörter werden gesprochen (Partnerarbeit). Hierbei zeigt ein Schüler eine Karte hoch, der andere nennt das Wort des Gegenstandes. Das geht auch super, wenn man Verben lernt (lesen, schreiben, malen, rechnen, spielen, trinken, essen, schlafen...). Sollte es Missverständnisse oder vermeintliche Fehler geben, so ist dies immer ein schöner Sprech-Anlass zwischen den beiden Schülern. Das gilt auch für die Arbeit am PC.
Die Wörter werden zu den passenden Bildern zugeordnet. Das geht in Form eines Arbeitsblattes (2), wo man das Wort und das entsprechende Bild mit einem Pfeil verbinden muss (Einzelarbeit).

Spiele

Das erste Spiel (Quiz) habe ich mit den Schülern gemeinsam gemacht, damit sie die Spielregeln verstehen. Aber schon beim zweiten konnten sich die Kinder teilweise alleine mit dem PC beschäftigen, da es nach dem gleichen Muster abläuft. Gelernt werden jeweils die aktuellen Lernwörter. Dazu gibt es verschieden angeordnete Spiele mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen.

Die Schüler sitzen immer zu zweit zusammen. Ein Schüler liest die Wörter bzw. Sätze der Reihe nach von seinem Arbeitsblatt ab. (Als zusätzliche Kontrolle für ihn gibt es die Bilder dazu.) Der andere Schüler darf das Arbeitsblatt nicht sehen. Er hat alle Tiere als Bildkarten vor sich liegen. Er zeigt auf das entsprechende Bild. Ist es richtig, so wird das nächste Wort (Satz) vorgelesen, bis alle Bilder gezeigt wurden. Bei falscher Auswahl ergibt sich ein Sprechanlass. Das Wort bzw. Bild wird angestrichen und später wiederholt. Nachher kann kontrolliert werden, wie viele Antworten richtig waren.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sowohl durch die Einteilung in den Tagesplan als auch durch den Einsatz des Computers die Motivation der Schüler sehr viel höher war als gewöhnlich, obwohl es sich größtenteils um die gleichen Übungen handelte wie sonst auch. Da einige Schüler noch nicht lesen konnten, waren besonders die mündli-chen Übungen wichtig. Für das Computerspiel mit dem Aufgabenblatt 1a sind keine Lese-Kenntnisse notwendig. Für mich war endlich genug Zeit vorhanden, einzelnen Schülern etwas in Ruhe zu erklären. Es erfordert zwar zunächst längere Zeit der Vorbereitung und das Üben mit den Schülern. Aber der Einsatz lohnt sich - die Arbeitsatmosphäre war toll, die Ziele wurden erreicht!

Akustische Wahrnehmungsübungen

Ziel ist das Beherrschen von Lauten.

Bereits ohne Buchstabenkenntnis können mit Hilfe von Bildern Reimwörter herausgehört werden, was für das Erkennen ähnlicher Klangstrukturen von Bedeutung ist, z. B. Kärtchen mit Bildern von Hase und Nase oder Flasche und Tasche , die sich sehr einfach selber herstellen lassen. Die Kärtchen sollen von den Kindern einander zugeordnet werden.

Hier finden Sie das QUIZ. (MS-Powerpoint)

Da der Anlaut eines Wortes am leichtesten herauszuhören ist, sollen in spielerischer Form Bilder auf Grund ihres gleichen Anfangslautes geordnet werden, z. B. Kirsche und Krokodil. Dies lässt sich in einem selbstgebastelten Memory- oder Quartettspiel realisieren.

Zur weiteren Sensibilisierung des akustischen Wahrnehmungsvermögens führt das Heraushören des Stellungslautes. In Spielform kann dies geübt werden.

Hier finden Sie das SPIEL. (PDF)

Lese-Mal-Blätter

Ziel ist das sinnerfassende Lesen.

Die Lese-Mal-Blätter dienen der Förderung der Kinder beim sinnerfassenden Lesen. Die Arbeitsblätter enthalten zunächst einfache Sätze mit einer klaren Aufforderung, z. B. "Male ein Eis!". Das sollen die Kinder unter den Satz malen.
Beispiel

Die Texte der Lese-Mal-Blätter werden zunehmend umfassender und anspruchsvoller. Zusätzlich zum Malen gibt es auch Arbeitsaufträge wie Ankreuzen oder Zuordnen. Bei differenzierter Verwendung empfiehlt es sich, den Kindern die Blätter als Kartei bereitzustellen. Je nach Lesefähigkeit entnehmen sie ein Blatt und führen den kleinen Mal-Arbeitsauftrag selbstständig aus.

Anhand der Kinderzeichnungen sind Einblicke bezüglich Stärken und Schwächen beim sinnerfassenden Lesens möglich. Die Lese-Mal-Blätter können für die Kinder auch zu einem ersten "eigenen" Buch zusammengeheftet werden.

Lese-Mal-Blätter sind z. B. im Cornelsen-Verlag zu beziehen:

Metze, Wilfried: Lese-Mal-Blätter zum sinnerfassenden Lesen, Berlin 1998